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Graffiti, eine Erfindung des 20. Jahrhunderts?

Montag, März 1st, 2010

Graffiti kennt nun ja doch jeder! Also, zumindest mir geht es so, dass ich mich seit meiner frühesten Jugend an Schriften, Bilder oder Zeichen an Wänden oder auf Schildern erinnern kann. Doch wann hat denn das mit dem Graffiti überhaupt angefangen? In den 60iger, oder den wilden 70iger Jahren? Oder doch schon früher? Da mich das doch sehr neugierig gemacht hat, habe da mal etwas recherchiert, und verblüffende Tatsachen über die Entstehungszeit des Graffiti gefunden.

Wenn man von Graffiti per Definition ausgeht, sind die ersten “Zeichen” bereits im alten Ägypten (2707-2216 v. Chr.!!) entstanden. Bereits im sog. „Alten Reich“ wurden Tempel, Statuen, Felsen und Gräber mit Graffiti in verschiedenen Sprachen und Schriften verziert. Thematisch ging es damals alledings hauptsächlich um Segenswünsche, Gebete, Verehrungen von Göttern und Tempel-Eide.

Karikatur eines Politiker in Pompeji

Karikatur eines Politiker im alten Pompeji

Aber auch die alten Römer (z.B. in Pompeji, das bereits 79 n. Chr. unterging) und Griechen nutzten Graffiti dafür, die Lebenssituation der Menschen oder Gladiatorenkämpfe darzustellen, oder um Karikaturen und andere Zeichnungen festzuhalten.

Und die Maya hinterließen in der antiken Stadt Tikal ebenfalls reichlich Graffiti, die wahrscheinlich bis ca. 100 v. Chr. zurückreichen.
Damals war das Anbringen von Graffiti noch nichts Verwerfliches, im Gegenteil, die Inhalte der antiken Graffiti bieten grandiose Einblicke in den damaligen Alltag der Menschen.

Kurzer Break in Geschichte, und ein Appell des Autors an alle Graffiti Künstler: Bitte schreibt, malt, sprayt und kreiert ganz tolle Graffiti, damit die Leute in 1000-2000 Jahren auch einen guten Eindruck von uns bekommen!

Runen-Graffiti der Wikinger

Spuren von Graffiti finden sich seither in sämtlichen Jahrhunderten wieder. So zieren z.B. Runen ca. seit dem 9. Jahrhundert eine Balustrade der Hagia Sophia in Istanbul. Sie wurden wahrscheinlich von einem Wikinger namens Halvdan eingeritzt.  Auch waren die Wikinger Vorreiter des heutigen Klograffiti.

Interessant ist auch, dass sich das „fahrende Volk“ untereinander seit dem 12/13 Jahrhundert mit sog. „Zinken“ über die lokale Situation informiert. Bestimmte Graffiti werden als Geheimzeichen z.B. an Zäunen oder Wohnhäuser genutzt, um anzuzeigen, ob es dort etwas zu holen gibt.

Gruß auf dem "Inscription Rock"

In New Mexico wurden seit Anfang des 17. Jahrhunderts Graffiti in Form von Inschriften in den sog. „Inscription Rock“ geritzt. Der spanische Abenteurer Don Juan de Oñate war
der erste, der sich im Jahr 1605 dort verewigt hat. Nach ihm haben dies noch ca. 2000 andere Personen getan, heute allerdings ist es verboten.

Graffiti Spuren aus dem 18. und 19. Jahrhundert findet man u.a. in der Klosterschule Bebenhausen. Zöglinge des Klosters ritzten ihre Namen in die Mauern des Kreuzganges.

Vorlage für das Birnengraffiti

Der „Bürgerkönig“ Ludwig Phillip I. von Frankreich löste in Paris nach seinem Amtsantritt 1830 eine Graffiti Welle aus, ohne es jedoch zu ahnen. Beliebtes Motiv war damals das sog. “Birnengraffiti”, welches auf eine damals populäre Karikatur des Bürgerkönigs zurückzuführen ist, in der dessen Kopf zu einer Birne verwandelt wurde.

Graffiti aus ganz praktischen Gründen hat der Mathematiker William Rowan Hamilton angewandt, der 1843 spontan die Multiplikationsformel der Quaternionen in einen Stein der Broom Bridge in Dublin eingeritzt hat, damit er die lange gesuchte Lösung nicht vergisst. Dieses Graffiti ist heute als Gedenkstein zu bewundern.

Wer also gedacht hat, dass Graffiti erst im letzten Jahrhundert seinen Anfang fand, der hat weit gefehlt.

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