Archive for März, 2010

Wildstyle – Die Königsdisziplin

Montag, März 15th, 2010

Wildstyle gilt als die „Königsdisziplin“ der Writing Kultur, die durch eine hohe Komplexität in der Ausgestaltung ausgezeichnet ist. Eine gelungene Gesamtoptik des Werkes ist oberstes Gebot, erzielt durch immer neue Techniken und Ideen für die Ausgestaltung des Bildes.

Gern genutzte Effekte bei der Gestaltung der Buchstaben sind Neigen, Drehen oder Spiegeln einzelner Buchstaben oder des ganzen Pieces. Auch verschiedene Größenverhältnisse der einzelnen Buchstaben ergeben einen interessanten Effekt.

Häufig werden die Buchstaben durch ungewöhnliche Brüche und Knicke weiter entfremdet. Die ursprüngliche Buchstabenstruktur ist dadurch nur noch schwer zu erkennen bzw. gar nicht mehr vorhanden. Der Gesamtaufbau des Wildstyle Werkes wirkt dadurch extrem ineinander verschlungen.
Zusätzlich werden die kunstvoll gestalteten Buchstaben mit weiteren Elementen, wie Pfeile, Kringel, Splatter und andere passende Formen, ergänzt.

Es kommt bei der Arbeit nicht auf die Lesbarkeit an, vielmehr wird großen Wert darauf gelegt, dass das Gesamtwerk möglichst harmonisch und ausgewogen und gleichzeitig dynamisch und kraftvoll wirkt. Um dies zu erreichen muss der Künstler schon einiges an Kreativität und künstlerischen Verständnis haben, sowie gute technische Fähigkeiten.
Somit hat der Wildstyle den Zusatz „Königsdisziplin“ sicherlich verdient.

Der Wildstyle kam erstmals Anfangs der 1970er Jahre in New York auf, als sein Erfinder gilt PHASE2. Er zählt zu einer der ersten, der den Buchstaben Pfeile und Kringel hinzufügte. PHASE2 kann daneben auch den Bubble Style auf seine Fahne schreiben.
Ein weiterer wichtiger Vertreter des Wildstyles ist DONDI, ebenfalls ein Amerikaner. Er war der erste, der die Buchstaben überarbeitete und sie dadurch in einen neuen Kontext stellte. Wildstyle Graffiti wurde daraufhin von mehreren New Yorker Writern aufgegriffen (unter anderen DERO, POEM und KASE2) und durch eigene Interpretationen weitergeführt.

Erwähnenswert ist auch der Film „Wild Style“, der 1983 erschienen ist und sich mit der Writing- und Hip-Hop-Kultur befasst. Er gilt heute als Klassiker und er hat dem Style Writing speziell in Europa zu enormer Popularität verholfen.

Bubble Style

Sonntag, März 14th, 2010

Eine Unterart des Graffiti Writing ist der Bubble Style. Wie der Name schon sagt, sind die Buchstaben “aufgeblasen”, alle geraden Linien der Buchstaben werden gebogen dargestellt. Der gewisse 3D Effekt wird oftmals durch Glanzeffekte verstärkt.

Im Vergleich zu anderen Writing Styles kann die Message im Bubble Style viel besser gelesen werden. Als Erfinder dieses Styles, auch Softie Style genannt, gilt PHASE2.

Rekordverdächtig: Graffiti mit den meisten Zeichen

Sonntag, März 14th, 2010

Das Graffiti mit den meisten Zeichen ist wohl auf den führenden Politiker der Volksrepublik China des 20. Jahrhunderts zurückzuführen – Mao Zedung (Mao Tse-tung).

1915 brachte er seinen Unmut gegenüber seinen Lehrern und der chinesischen Gesellschaft in den Waschräumen seiner Universität in Changsha zum Ausdruck. Es entstand eine Schmähschrift mit über 4000 Wörtern – somit hält er den Weltrekord für das Graffiti mit den meisten Zeichen. Auch später, zu Beginn seines politischen Aufstiegs Anfang 1920 nutze er Graffiti dazu, um die kommunistische Revolution zu propagieren.

Da kann man nur sagen, “ich soll nicht alles wie Bart Simpson machen!”


„Turmkunst 2010“ – Bierpinsel bald als Kunstwerk

Freitag, März 12th, 2010

Eines der „schwindelerregendsten“ Kunstprojekte Deutschlands startet am 01. April in Berlin. Unter dem Namen „Turmkunst 2010“ werden vier Graffiti-Künstler in 14 Tagen den Berliner „Bierpinsel“ in ein Streetart Kunstwerk verwandeln.

In 48 Meter Höhe werden die Künstler Honet aus Frankreich, Flying Förtress aus Deutschland, KR Costello aus den USA und Sozyone aus Spanien ihr Können unter Beweis stellen, um aus dem Turm eine neue Schönheit zu machen.

Der „Bierpinsel“, der in den 1970er Jahre von den ICC-Architekten Ralph und Ursulina Schüler entworfen wurde, zählt heute noch zu einer der außergewöhnlichsten Turmarchitekturen Deutschlands. Selbst in Architekturvorlesungen dient er als Anschauungsmaterial. Allerdings ist das Bauwerk trotz der architektonischen Glanzleistung mittlerweile in die Jahre gekommen, abgeplatzte Farbe an vielen Stellen lässt es etwas schäbig wirken. Somit kommt diese Graffiti Aktion wie gerufen.

Ein weiterer Höhepunkt der Verunstaltung wird eine Ausstellung zum Thema „Urban Art“ im Gebäude selbst sein. Zehn Künstler präsentieren hier unter der Leitung der Hamburger „Vicious“ Gallery vom 1. April bis zum 1. Juni ihre Werke.

Berlins Oberbürgermeister Klaus Wowereit über die Aktion:

“Ich bin sicher: Die Berlinerinnen und Berliner und viele kunstinteressierte Gäste unserer Stadt werden jeden Pinselstrich aufmerksam registrieren und dabei erleben, wie inspirierend die futuristische Architektur des „Bierpinsels“ auf die vier Street Art-Künstler gewirkt hat.“

Dokumentiert wird das ganze vom Streetart Fotograf JUST, und man wird sich dann wohl auf einen Bildband von ihm freuen können.

Banksy Ausstellung in Wien

Mittwoch, März 10th, 2010

Wer gerade eh nach Wien muss, könnte einen kleinen Abstecher in die Galerie “Amer Abbas” unternehmen. Dort wird seit dem 5. März eine Ausstellung des Graffiti Künstlers Banksy gezeigt, mit dem Titel “shot b4 raped in the streets“.

Die Ausstellung wird bis zum 26. März laufen, der Eintritt ist frei.

Street Art wird zu „Star Wars“

Mittwoch, März 10th, 2010

Ein kleiner Fight zwischen der Writer- und Street Art-Szene ist derzeit in England ausgebrochen. Involviert sind der Writer Robbo und kein geringerer als Banksy, der eigentlich eher mit „Guerilla Graffiti“ auf sich aufmerksam macht.

Angefangen hat das ganze wohl im letzten Dezember, als Banksy ein Writing von Robbo in eines seiner berühmten Stencil Graffiti integriert hat.

Robbo lies sich um eine Antwort nicht lange Bitten, und gestaltete das neue Werk gleich wieder ein bisschen um, mit einer klaren Botschaft, wem dieses Graffito eigentlich gehört.


Seit dem wurden mehrere von Banksy‘s Werken übermalt…

… und ein Zug in London zeigt die Aufschrift: „Kill Banksy“.

Man munkelt, dass die beiden sich nicht wirklich mögen, offenbar hat sich Robbo in seiner Ehre gedemütigt gefühlt, als die beiden zum ersten Mal aufeinander trafen und Banksy nicht wusste wer er ist. So sehr offenbar, dass Robbo Banksy sogar eine Ohrfeige gegeben haben soll mit den Worten „Du weißt zwar nicht wer ich bin, aber dafür wirst Du mich auch nicht so schnell vergessen.“
Nun ja, ein (Kindergarten) Battle, der sehr amüsant ist anzusehen. Mal sehen, was als nächstes kommt, wir dürfen gespannt sein.

“Exit Through the Gift Shop” – Graffiti Dokumentation

Dienstag, März 9th, 2010

Auf der 60. Berlinale wurden nun viele Filme vorgestellt, und es wurden jede Menge Preise verliehen. Das hat man nun ja schon alles gehört.
Ich möchte euch aber heute einen Film vorstellen, der dort gezeigt wurde, aber nicht ganz so viel Aufmerksamkeit erregte – oder vielleicht nur in bestimmten Kreisen.

“Exit Through the Gift Shop” ist eine Graffiti Dokumentation von Banksy, dem Crazy English Guy, der immer wieder durch seine Guerilla Aktionen auf sich aufmerksam macht.
In dem Film geht es um Thierry Guetta (Cousin des französischen Künstlers Invader), einem französischen Filmemacher, der eigentlich eine Graffiti Dokumentation machen möchte. Banksy regt Thierry Getta nun aber dazu an, selbst als Graffiti Künstler aktiv zu werden. Somit ist die Figur „Mr. Brainwash“ geboren und fortan übernimmt Banksy die Regie.

Banksy‘s Kommentar zu seinem Film zeugt erneut vom berühmt berüchtigten englischen Humor:

“Ladies and gentlemen, and publicists:
Trying to make a movie which truly conveys the raw thrill and expressive power of art is very difficult. So we haven’t bothered. Instead, this is simply an everyday tale of life, longing, and mindless vandalism. Everything you are about to see is true, especially the bit where we all lie.
Thanks for coming, please don’t give away the ending on Twitter. And please, don’t try copying any of this stuff at home, wait until you get to work.”

Banksy selbst war wohl an der Berlinale anwesend, aber wie immer anonym, somit hat ihn auch dieses mal keiner gesehen.

Banksy, Genie oder Vandale?

Montag, März 8th, 2010

Banksy zählt zu den am bekanntesten und berüchtigtsten lebenden Graffiti Künstler überhaupt. Er ist ein Typ, der polarisiert. Er erntet entweder begeisterte Hochachtung oder aber tiefe Empörung mit seinen Werken und Taten. Einen Namen machte er sich mit seinem Markenzeichen, dem „Guerrilla“ Stencil Style (Schablonen Graffiti). Und obwohl bis heute keiner seine wahre Identität kennt, hat er jede Menge Anhänger, unter anderem Berühmtheiten wie Angelina Jolie, Brad Pitt und Christina Aguilera.
Mit seinen Stencil Graffiti schafft er es immer wieder, alternative Sichtweisen auf politische und wirtschaftliche Themen zu geben, wobei noch eine Portion des berühmten englischen Humors für das i-Tüpfelchen sorgt.

Aber nicht nur mit seinen Graffiti, die mittlerweile weltweit in Städten wie London, Bristol, New York, Paris u.v.m. macht er immer wieder auf sich aufmerksam. In die Schlagzeilen schaffte er es auch immer wieder durch allerlei verrückte Aktionen, wie z.B. das Aufstellen einer aufblasbaren Puppe im Disneyland, gekleidet als ein Guantanamo Gefangener; das Aufhängen einer lächelnden Mona Lisa im Louvre oder etwa einen jagenden Urzeit Menschen mit Einkaufswagen als seine Version der Höhlenmalerei im British Museum. Und oftmals blieben diese „eingeschlichenen“ Ausstellungsstücke tagelang unbemerkt!

Mittlerweile gibt es ein ganzes Netzwerk von Mythen um Banksy‘s Person. So gab es letztens die Meldung, sein echter Name wäre Robin Banks, und er wäre eigentlich Metzger von Beruf. Oder dass seine Eltern gar nicht wüssten, was er in Wirklichkeit tut, sondern davon ausgehen würden, er wäre einfach ein erfolgreicher Maler und Dekorateur. Dann gibt es noch das Gerücht, das hinter Banksy eine ganze Crew von Künstlern steckt, und als Einzelperson überhaupt nicht existiert.
Der „Daly Mail“ bezeichnete Banksy einmal als den „Scarlet Pimpernel“ der Modernen Kunst, ein Meister im Legen falscher Spuren, dass selbst sein eigener Agent zugibt, sich nicht sicher über die Identität von Banksy zu sein.

Fakt ist (angeblich), dass er in Bristol geboren und aufgewachsen ist, über das Geburtsjahr ist man sich wohl nicht einig… es könnte 1973, 1974 oder auch 1975 sein.

Banksy hat unter dem Namen „Robin Banksy“ insgesamt vier Bücher herausgegeben. Diese Bücher enthalten Bilder seiner Arbeiten aus verschiedenen Ländern, einige seiner Gemälde und sind von Banksy selbst kommentiert. Sein erstes Buch, „Banging your head against a brick wall“, erschien in schwarz-weiß, sein zweites Buch „Existencilism“ erschien in Farbe. 2004 erschien sein drittes Buch „Cut it out“. Anfang 2006 erschien die Zusammenfassung obiger drei Bücher „Wall and Piece“.

Hier eine kurze Passage aus seinem vierten Buch, die beschreibt, wie er zum Stencil Graffiti gekommen ist:
‘When I was 18, I spent one night trying to paint LATE AGAIN in big silver bubble letters on the side of a passenger train. British Transport Police showed up and I got ripped to shreds running away through a thorny bush. The rest of my mates made it to the car and disappeared so I spent over an hour hidden under a dumper truck with engine oil leaking all over me.
‘As I lay there listening to the cops on the tracks, I realised I had to cut my painting time in half or give up altogether. I was staring straight up at the stencilled plate on the bottom of a fuel tank when I realised I could just copy that style and make each letter 3ft high.
‘I got home at last and crawled into bed next to my girlfriend. I told her I’d had an epiphany that night and she told me to stop taking that drug ‘cos it’s bad for your heart.’

Und hier nun eine kleine Sammlung seiner Werke (auf Bild klicken zum Vergößern), mehr gibt es „hier“, oder schaut einfach immer mal wieder in meiner Bildergalerie nach, da werde ich neue Bilder von ihm einstellen, soblad ich welche entdecke.

Oscar 2010: Großer Gewinner AVATAR

Montag, März 8th, 2010

Bei den diesjährigen Oscar Awards räumte das großartige 3D Spektakel AVATAR fleißig ab, kein Wunder bei insgesamt 9 Nominierungen. Unter anderem bekam der Film einen Oscar für die besten “Spezial-Effekte”, nicht zuletzt wegen der eingesetzten neuen 3D Technik, die, mal ehrlich, schon grandios ist. Jeder, der den Film in 3D gesehen hat, kann dies bezeugen.

Dies bringt mich aber zu einer anderen großartigen Sache – dem 3D Graffiti. Auch in der Graffiti Welt gibt es wunderbare 3D Effekte. Absolut großartige Werke gibt es in den Bereichen Writing, Kalk Graffiti, Stencil und Street Art, aber seht selbst:

3D Writing:

3D Streetart:

3D Kalk Graffiti:

Politisches Graffiti: Ein Währungsfonds für Euroland

Sonntag, März 7th, 2010

Hier ein politisches Graffiti aus Griechenland, das den Euro als “Monster des Kapitalismus” darstellt.

Es entstand in Athen während des Generalstreiks am 10. Februar.

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